09.05.2021

Geschichte der Jugendfeuerwehr Helsa

Schauübung der Jugendwehr am 21.10.1961 auf dem alten Schulhof.

Ein Artikel aus der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Helsa:

Die erste Jugendwehr im Altkreis Kassel wurde am 14. Juli 1960 in der Gemeinde Helsa ins Leben gerufen.

Begonnen hatte alles mit „Schmidt’s Wilhelm“, der als Maschinist bei Übungen immer von jungen Schülern umlagert war. An einem dieser Tage standen Rainer Huss und der Sohn des Bürgermeister, Volker Aich, neugierig hinter der Tragkraftspritze. Schmidt erkannte das Interesse der Jungen und setzte beiden kurz entschlossen einen alten Lederhelm mit den Worten auf den Kopf: „Ihr seit jetzt Feuerwehrmänner“. Bei Ortsbrandmeister Hans Lenz‚ der dies mitbekam, zündete sofort die Idee, eine Jugendwehr zu gründen. Mit der tatkräftigen Unterstützung des Feuerwehrkameraden Klaus Pritzel übernahm Hans Lenz in den ersten Jahren die Ausbildung der Jugendfeuerwehr. Bereits am 21. Oktober 1961 konnten die Jungs unter den Augen von Kreisbrandmeister Reinhard Feuring und Bürgermeister Anton Aich ihr Können bei einer Schauübung unter Beweis stellen. Die Vorteile dieser neuen Einrichtung wurden schnell klar: Erstmals konnte die Feuerwehr selbst für den eigenen Nachwuchs sorgen.

Als man 1985 das 25-jährige Jubiläum feierte, konnte man auf eine erfolgreiche Jugendarbeit zurück blicken. Mit Staatsminister Dr. Herbert Günter hatte man beim Festkommers im Saal des „König von Preußen“ einen hohen Ehrengast. Unruhig wurde es an diesem Abend für die Einsatzabteilung als ein Scheunenbrand in St. Ottilien für Sirenenalarm sorgte. Am folgenden Tag beim Wettkampf, Spiel ohne Grenzen ‚ trafen sich 12 Mannschaften. Helsa belegte hier den 2. Platz. In diesem Jubiläumsjahr kamen bereits 60% aller Männer der Einsatzabteilung aus der Jugendwehr, ein sichtbarer Beweis guter Jugendarbeit. Heute haben alle Funktionsträger der Helsaer Wehr ihre Grundausbildung in der Jugendwehr absolviert.

In diesen Jahren lohnte sich übrigens noch das Altpapiersammeln. So sammelte die Jugendwehr im Jahr 1985 noch 36,3 Tonnen Papier. Durch einen rapiden Preisverfall sollte sich später dieser Einsatz nicht mehr lohnen. Anfang der 90er Jahre wurden einige Male Osterfeuer am Buchberg veranstaltet, allerdings gab es dabei verschiedene Probleme, z.B. mit dem Umweltschutz, so dass dies Projekt nicht weitergeführt wurde. Um die Jugendkasse aufzubessern, sattelte man um und sammelte gegen eine Spende die ausrangierten Weihnachtsbäume ein. Auch beim Aufstellen des Maibaumes war der Nachwuchs der Feuerwehr voll engagiert.

Seit 1988 mischen erstmals Mädels in der Jugendwehr mit. Frauen in der Feuerwehr, das war in den Jahren davor schon ein heikles Thema. Im Protokoll einer Vorstandssitzung vom 6. August 1975 kann man folgendes nachlesen: Die Einbeziehung von Mädchen wird als „heikle Sache“ angesehen. Hier wird man mit Angelegenheiten konfrontiert, denen man besser aus dem Weg gehen sollte. Dem Jugendfeuerwehrwart Heinz Sonntag wird empfohlen, keine Mädchen für die Jugendwehr zu werben. Wie außergewöhnlich dies Thema war, zeigte sich auch darin, daß sich die Tageszeitung in mehreren Artikeln damit beschäftigte. Erste Feuerwehrfrau in Helsa war Dagmar Hartung, die dann als Gruppenleiterin ihr Wissen an die jungen Mädchen weitergab. Die Skepsis in den Chefetage der Kreisfeuerwehr teilte man in Helsa nicht, hier war man durchaus der Meinung, daß auch Frauen beim Dienst in der Feuerwehr durchaus „ihren Mann“ stehen können.

Das 30 jährige Jubiläum feierten die 24 Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Jugendfeuerwehrwarten auf der Franzensbaude in Wickenrode. Zuvor hatten die 24 Jungen und Mädchen gezeigt wie flott sie einen vermeintlichen Brandeinsatz beherrschen. Angenommen wurde ein Dachstuhlbrand in der Pfarrhof Straße.

Beim Kreisentscheid 1992 schickte erstmals Helsa eine komplette Mädchenmannschaft in den Wettkampf. Ein Jahr später qualifizierte man sich für den Landesentscheid in Hungen‚ wo man den 13. Platz belegte. Die Gemeinde belohnte diese Leistung mit der Sportmedaille. Zu den weiteren Highlights in den letzten Jahren gehörte ein weiterer 1. Platz bei den Baunataler-Wettkämpfen, dass erringen von Leistungsspangen, und die Großübung in der Alten Berliner Straße anläßlich des 40. Geburtstages der Jugendabteilung. Hinzu kommen verschiedene Zeltlager, und nicht zu vergessen die China – Rallye die immer für viel Spaß sorgt. Eine abwechslungsreiche Jugendarbeit, wo Ideen nie ausgingen‚ sorgte dafür das immer wieder Mädchen und Jungen den Weg ins Feuerwehrhaus fanden. In dieser guten Jugendarbeit liegen die Wurzeln für ein funktionierende Einsatzabteilung. 

Benjamin Blum, 16.04.’02